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Rassismus im „Imagefilm“ des AStA der Uni Hamburg – oder alles bloß „Satire“?

03. Februar 2011 admin 1 Kommentar

Rassismus im „Imagefilm“ des AStA der Uni Hamburg – oder alles bloß „Satire“? Wie versucht wird, die berechtigte Kritik am Abrufen rassistischer Stereotype zu diskreditieren:

„Der gesamte Film ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen und es ist natürlich überhaupt nicht unsere Absicht, rassistische Klischees zu bedienen“, sagt der AStAKulturbeauftragte Timo Hempel dazu. Der kritisierte Textteil beziehe sich auf den Beginn des Films, der eine satirische Musical-Szene sei. Die drei dunkelhäutigen Reinigungskräfte werden von ausgebildeten Schauspielerinnen dargestellt.“ „[…]Von vielen wird da bewusst missverstanden, um gegen das Projekt Stimmung zu machen“. (HHer Abendblatt: “Rassismus an der Uni? Streit um Imagefilm vor der Premiere”, 27.01.2011)

Wenn Rassismus problematisiert werden soll, dann sind diese reflexartigen Beschwichtigungsfloskeln kaum überraschend! So auch, als es im Studierendenparlament um den Antrag auf Vorführung des Films und Diskussion ging. Denn in der hiesigen Gesellschaft gibt es nach wie vor keine Auseinandersetzung mit dem gesamtgesellschaftlichen Problem des Rassismus. Ebenso abgedroschen wie typisch ist die Täter-Opfer-Umkehrung, nämlich die Bescheinigung einer gewissen „Überempfindlichkeit“ oder eben der Unterstellung von „böswilligem Missverstehen“ seitens derjenigen, die darauf hinweisen.

So ist es leider nicht verwunderlich, dass Vertreter des (noch) amtierenden AStA der Uni Hamburg Rassismuskritik mit Humorlosigkeit gleichsetzt. Im Studierendenparlament auf die Reproduktion von u.a. rassistischen Stereotypen hingewiesen, wehrte der für den Image-Film verantwortliche „Sonderbeauftragte für Kultur“ Timo Hempel (Juso HSG) ab, und bezeichnete die Kritiker_innen als „Linksextremisten“, die angeblich gegen die Arbeit des AStA (bestehend aus Juso HSG, Liberalen, Geisteswissenschaftliche-Liste, Jura-Liste, EPB-Liste, WiWi-Liste) aufwiegeln wollten. Deswegen möchten wir kurz in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, warum dieser Film rassistische (sexistische und klassistische) Stereotype bedient:
1. Die Art und Weise der Darstellung der Frauen dockt an rassistische Stereotype an.
2. Diese rassistisch markierten Frauen treten als Reinigungskräfte auf.

1. Die drei Schauspielerinnen auf den Ankündigungsbildern zum „Imagefilm“ sind in eine alberne Aufmachung gesteckt worden, durch die ganz bestimmte Bilder eines irgendwie gearteten „Afrikanischseins“ in den Köpfen der Menschen aufgerufen werden sollen. Diese „Pseudo-Folklore-Bekleidung“ der Frauen gibt klassische rassistische Stereotype wieder. Zum Einen wird ein ganzer Kontinent mit verschiedensten Ländern und Kulturen vereinheitlicht und zum anderen eine kollektiv unterentwickelte Kultur suggeriert. Verschärfend kommt hinzu, dass die Kostüme absichtlich primitiv aus Stoffresten gebastelt erscheinen. Alles in allem entsteht der Eindruck einer schlechten Nachahmung eines vermeintlichen „Ethno-Styles“, der der hiesigen „weißen“ Imagination „afrikanischer“ Kleidung entspricht.

Des Weiteren liefert die merkwürdige Darstellung der Frauen ergänzt durch den Ankündigungstext zum Film einen Interpretationsraum für rassistische Stereotype. Beispielsweise kann in Bezug auf die „gospelnd“[1] ihrer Lohnarbeit nachgehenden Putzfrauen angenommen werden, dass ihnen eine vermeintlich höhere „Emotionalität“ unterstellt wird (was sowohl rassistische als auch sexistische Klischees bedient).

2. Die neokoloniale Arbeitsteilung wird abgebildet, denn ganz selbstverständlich sind die „Weißen“ die Studierende, wohingegen die „Anderen“ als „afrikanische Reinigungskräfte“ herhalten müssen. Verstärkt wird dies insbesondere durch die Gegenüberstellung von „guter“ vs. „schlechter“ Arbeit (die „bösen“ Reinigungskräfte machen die „gute“ und „wichtige“ Arbeit des AStA zunichte)[2]. Es wird also klar, wessen Arbeitsfeld mehr Wertigkeit zugesprochen wird. Ebenso verwunderlich: Kein Mitglied des AStA erscheint „Nicht-Weiß“.

In den Ankündigungsbildern zum „Imagefilm“ wird u. a. Gezeigt, wie die Putzkräfte mit Besen und Sprühflasche die AStA-Vertreter_innen verjagen. Ein einheitlich „weißer“ Block wird von „schwarzen“ Menschen verfolgt. Welche diffusen („europäischen“) Ängste sollen damit eventuell heraufbeschworen werden? Welche gesellschaftlichen Ungleichheiten sollen hier naturalisiert werden

Fazit: Anstatt Gelder der Studierenden in bereits vorhandene studentische Initiativen und in wichtige (hochschul-)politische Arbeit zu stecken, werden Unmengen dieser Gelder für einen Selbst- Beweihräucherungs-Film verbraten.[3] Dies empfinden wir nicht nur als Dreistigkeit, sondern auch als unheimlich dekadent!
Außerdem wird klar, wie sich in diesem „Imagefilm“ rassistische, sexistische und klassistische Stereotypen überlagern und gegenseitig potenzieren. Diese Abwertungen sind nicht tragbar und nicht alle Studierenden nehmen diese diskriminierenden Darstellungsweisen von Menschen hin!

RASSISMUS IST KEIN WERBEGAG, NICHT AN DER UNI UND AUCH NICHT ANDERSWO!

Deswegen rufen wir alle Studierenden auf, die diese Moppelkotze nicht mittragen wollen, am Donnerstag, den 3. Februar zur Premiere des Films um 19:00 Uhr ins Abaton-Kino am Allende-Platz zu kommen, um lautstark und vehement
zu protestieren! Wir treffen uns um 18:30 Uhr vor dem Abaton.

Unterstützer_innen:
Anti(ra)²dio, Fachschaftsrat Erziehungswissenschaft, GEW-Studis, Teile aus dem Orga- Kreis „AMR-Wochenende“, Liste LINKS, harte zeiten – junge sozialisten.

Hier der Flyer als PDF

Fußnoten

[1] „Nur im prächtigen Kuppelsaal des historischen Hauptgebäudes regt sich was: farbenprächtig gewandete afrikanische Reinigungskräfte gehen gospelnd ihrer Arbeit nach – und wehren sich dabei routiniert gegen den Versuch einiger Kommilitonen, ihre Flyer auf der soeben gewischten Bestuhlung auszulegen.“ Quelle: Asta Uni HH (=Vorankündigung des Films auf der Homepage des AStA), Hervorhebung von uns.
[2] Ergänzung: der AStA stilisiert sich im Film zu „streitbaren Zettelanarchos“ in „guter Mission“. Das finden wir befremdlich. Seit wann sitzen im aktuellen AStA der Uni Hamburg „Anarchos“? Oder soll das unpolitisch zu verstehen sein?
[3] Bezüglich der Höhe der darauf verwendeten Gelder schweigt sich der AStA bislang aus.

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